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Wochenrückblick 1. Juli - 5. Juli 2019

Wer Huawei beliefern darf ...von Stephan Heibel
Der dickste Faustpfand Präsident Trumps war Huawei: Mit jeder Woche, die ohne Fortschritte in den US-chinesischen Verhandlungen verlief, steuerte Huawei auf die Insolvenz zu. Die meisten Marktbeobachter waren davon ausgegangen, dass Trump an Huawei zeigen wird, wie abhängig einer der größten chinesischen Tech-Konzerne von den USA ist. 

Auf dem G20-Gipfel in Osaka hat Trump nun völlig überraschend, ich glaube sogar auch für seine Mitarbeiter überraschend, zugelassen, dass US-Unternehmen Huawei mit nicht-sicherheitsrelevanten Komponenten wieder beliefern dürfen. Huawei, das viele seiner Vorprodukte aus den USA bezieht, wird also weiter Handys produzieren können und somit im Markt bestehen bleiben. 

In den Folgetagen wurde das überraschende Zugeständnis Trumps konkretisiert: Ja, US-Unternehmen dürfen nun wieder Komponenten an Huawei liefern, die nicht "die nationale Sicherheit gefährden". Dennoch bleibt Huawei auf der Schwarzen Liste. Die USA hätten ein großes Interesse daran, 5G-Technologie von Nokia und Ericsson zu kaufen und eben nicht von Huawei. China habe mit Hilfe von Huawei die Strategie verfolgt, weltweit führender Anbieter von 5G-Technologie zu werden, was eben nach US-Interpretation eine Gefährdung für die nationale Sicherheit darstellen würde. 

An der kritischen Einstellung gegenüber der Huawei-Technologie hat sich also nichts geändert. Die US-Administration hat lediglich den Zeitdruck aus den Verhandlungen genommen, da Huawei mit der aktuellen Vereinbarung weiter existieren wird ... wenngleich auch die Eroberung des 5G-Weltmarktes mit den weiterhin gültigen Beschränkungen nunmehr ziemlich unwahrscheinlich ist. 

Warum nur hat Trump die Zügel gelockert? Augenscheinlich hat er nichts im Gegenzug von Xi erhalten. Ist es ein Akt der Güte, des Entgegenkommens, um die weiteren Verhandlungen zu befördern? 

Hmm, es gibt Stimmen, die den Grund für das Einlenken Trumps in Apple sehen. Xi könnte gesagt haben: "Wenn Du unser Huawei kaputt machst, dann mache ich euer Apple kaputt". Sandkastenniveau, aber wer sagt denn, dass es in der Politik anders zugeht? 

Als Huawei auf die Schwarze Liste gesetzt wurde, brachen die Aktienkurse so ziemlich aller Chip-Unternehmen ein. Nachdem nun Huawei wieder Komponenten in den USA kaufen darf, sprangen so ziemlich alle Chip-Aktien kräftig an. Im weiteren Wochenverlauf setzte sich die Erkenntnis durch, dass je nach Einzelfall entschieden wird, welche Komponenten nach China verkauft werden dürfen, und welche nicht. Das ist ungemütlich und so gaben sämtliche Chip-Aktien wieder ab. 

Wenn wir uns aber von der platten Verurteilung der Trump-Administration in den Massenmedien als "unberechenbar" verabschieden und zugeben, dass diese Administration ihre Ziele ziemlich konsequent verfolgt, dann können wir bereits jetzt feststellen, welche Chip-Aktien in den kommenden Wochen profitieren dürften, und welche weiterhin Probleme haben werden. 

Einfach formuliert bedeutet dies, dass Tech-Unternehmen, deren Produkte auf Standardkomponenten aufbauen, wieder im Geschäft sind. Tech-Unternehmen mit Cutting-Edge High-End Lösungen hingegen, die insbesondere für die 5G-Technologie genutzt werden, müssen weiter mit Handelsbeschränkungen rechnen. Gerade Technologien, die für den Ausbau des 5G-Netzwerks erforderlich sind, bleiben aus Sicht der US-Behörden Bestandteil der nationalen Sicherheit. Und da verlässt man sich eben lieber auf Nokia, Ericsson (die wurden schon von den Behörden genannt) und meiner Ansicht nach auch auf Samsung. 

Doch Samsung hat ein so großes TV- und Handy-Geschäft, dass dieser Konzern kaum über das 5G-Geschäft einen spürbaren Auftrieb erhalten kann. Und Nokia und Ericsson haben die letzten Jahre verschlafen: sie liegen technologisch zurück und sind viel zu teuer. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie in die großen Fußstapfen von Huawei treten können. 

In meinen Augen war der G20-Gipfel richtungsweisend für die kommenden Wochen: Die Spannungen zwischen China und den USA waren auf ein Maximum eskalierte: Huawei-Verbot & drakonische Strafzölle drohten ernsthafte Schäden zu erzeugen. Trump wird sich bemühen, den Druck auf dem Kessel zu halten, doch tendenziell dürfte sich die Situation schrittweise entspannen. 

Schauen wir mal, wie sich die wichtigsten Indizes in dieser Woche entwickelt haben: 

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES 

 
INDIZES 4.7.19 Woche Δ Σ '19 Δ
Dow Jones 26.841  1,1% 16,4%
DAX 12.569  1,5% 19,0%
Nikkei 21.746  2,2% 8,7%
Shanghai A  3.154  1,1% 20,8%
Euro/US-Dollar 1,12 -1,5% -2,0%
Euro/Yen 121,73 -0,7% -3,5%
10-Jahres-US-Anleihe 2,05% 0,04 -0,68
Umlaufrendite Dt -0,39% -0,04 -0,49
Feinunze Gold $1.398  -0,9% 9,2%
Fass Brent Öl $64,07  -3,7% 22,7%
Kupfer 5.898  -0,9% -2,0%
Baltic Dry Shipping 1.700  26,9% 33,8%
Bitcoin 11.368  2,9% 189,9%



Ein dickes Plus steht an sämtlichen Aktienmärkten. Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro zugelegt. Draghi hat sich in meinen Augen zu weit aus dem Fenster gelehnt, er wird weitere Lockerungsmaßnahmen durchführen müssen. Sein US-Counterpart Powell hingegen hat sich alle Optionen offen gelassen, er wird seine nächste Zinsentscheidung von den Konjunkturdaten abhängig machen. 

Kein Wunder also, dass der Zins in Deutschland auf ein Rekord-Minus gefallen ist. Im Brüsseler Postengeschacher hat Angela Merkel nun bereits zum zweiten Mal den Posten des EZB-Chefs geopfert. Jens Weidmann ist aus dem Rennen, Christine Lagarde wird Mario Draghi beerben. Damit wird die in meinen Augen zu lockere Geldpolitik der vergangenen acht Jahre um weitere acht Jahre fortgesetzt. Die Politisierung der EZB wird fortgesetzt. Die guten Erfahrungen, die Deutschland mit einer unabhängigen Notenbank gemacht hat, werden weiter eine verschwommene Erinnerung der Geschichte bleiben. 

Der Goldpreis ist über 1.350 USD/Oz gesprungen und konnte damit seinen viele Jahre alten Widerstand endlich überwinden. Zwar ist der Sprung bereits vor 3 Wochen erfolgt, doch passt der Zeitpunkt langfristig betrachtet wunderbar mit der jüngsten Entwicklung an den Finanzmärkten, als die weiteren Lockerungsübungen vor wenigen Wochen angekündigt wurden. Ich gehe davon aus, dass wir vor einer Renaissance des Goldes als Sicherer Hafen stehen. 

Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

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