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Wochenrückblick 10. November - 14. November 2025

Turbulente Woche schüttelt viele Anleger durch ...von Stephan Heibel

Ende des US-Shutdowns


Nach 41 Tagen endete diese Woche der längste Regierungs-Shutdown der US-Geschichte. Ausgefallene Regierungsstatistiken über den Arbeitsmarkt dürften in den kommenden Tagen nachgereicht werden. Anleger flogen in den vergangenen Wochen aus konjunktureller Sicht nahezu im Blindflug. Statistiken, deren Daten durch die Behörden erhoben werden müssen, können teilweise nicht nachträglich erstellt werden. Es wird also eine gewisse Unsicherheit auch in den kommenden Wochen bleiben.

In den USA könnte nun eine Erholungsbewegung bei Regierungsdienstleistern wie Booz Allen oder SAIC anlaufen. Während bei den Regierungsangestellten alle Gehaltsausfälle nachträglich kompensiert werden, können Regierungsdienstleister nicht auf eine nachträgliche Erstattung von geplanten Arbeiten hoffen, die mangels Ansprechpartner ruhte. Doch aufgestaute Vergaben und Zahlungen laufen wieder an, nachdem während des Stillstands viele Prozesse eingefroren waren.

Rückenwind sehe ich auch für Biotech/Medtech, weil die US-Zulassungsbehörde FDA ihr normales Prüf- und Genehmigungstempo wieder aufnehmen Wird. Zudem dürfte die IPO-Pipeline langsam auftauen, davon profitieren Börsenplätze (Nasdaq/ICE) und IPO-nahe Wachstumswerte sowie die Broker, die IPOs durchführen.

Für deutsche Aktien bedeutet das Ende des Shutdowns in erster Linie einen Risikoabbau. Der DAX hat bereits positiv auf die Einigung reagiert. Zykliker und Exportwerte mit hoher US-Quote (Maschinenbau, Autozulieferer, Chemie) sollten auch weiterhin von einer besseren Stimmung und planbaren Datenlage profitieren.
 

KI-Blase platzt



In meinem Update zu Nvidia habe ich bereits die gefährlichen Entwicklungen aufgezeigt. Nun kommt tatsächlich noch eine explizite Warnung von Sarah Friar, CFO von OpenAI, hinzu. Nachdem eine Unternehmensanleihe von Oracle mit einem Volumen von 18 Mrd. USD am Markt nur schwach aufgenommen wurde, forderte Friar ein Regierungsprogramm, das die astronomischen Projektankündigungen von OpenAI auffangen würde, sofern es Finanzierungsschwierigkeiten geben sollte.

Es ist häufig wichtiger, wer etwas sagt, als was die Person sagt. Sarah Friar genießt in der Finanzbranche einen makellosen Ruf. Man hört ihr zu, man schätzt sie. Die exorbitanten Ankündigungen von Sam Altman, welche Projekte OpenAI nun angehen werde, wurden zwar mit Sorge aufgenommen, doch man wischte die Sorgen schnell beiseite, denn Sam Altman hatte ja Sarah Friar als Finanzchefin an der Seite, und die würde schon dafür sorgen, dass das alles funktioniert.

PanicRotTja, und jetzt wirft sie ein rotes Handtuch in den Ring.

Und so sehen wir auch schon das Platzen der KI-Blase: Oracle verlor vom Hoch am 10. September bereits 38%.

Der Hyperscaler, der ebenfalls mit gigantischen Investitionen von sich reden machte, ist Meta. Noch im Sommer stellte CEO Mark Zuckerberg Heerscharen an KI-Entwicklern zu Millionengehältern ein, um im KI-Rennen die Nase vorn zu haben. Ich habe manche Investitionsankündigungen so interpretiert, dass sie einfach der potentiellen Konkurrenz signalisieren sollen, es gar nicht zu versuchen, in diesem Bereich gegen Meta anzutreten. Egal ob sich die eine oder andere Investition auf Sicht von 5 Jahren rechnet, Hauptsache, es gibt keinen ernstzunehmenden Wettbewerb. Denn dann ist in der fernen Zukunft mit um so größeren Gewinnmargen zu rechnen, wenn es dann endlich so weit sein wird.

Coreweave, das Unternehmen, das die performantesten KI-Rechenzentren baut, kletterte vom IPO-Preis von 35 USD binnen zwei Monaten auf 187 USD, um seither wieder auf inzwischen 78 USD zurückzufallen, -58% vom Hoch. Zulieferer Core Scientific hat Lieferprobleme bei der exponentiell angesprungenen Nachfrage nach seinen KI-Lösungen für Managed Hosting von KI-Applikationen und brach allein in den vergangenen zwei Wochen um 35% ein.

Meine Einschätzung, ob wir hier nur eine kurzfristige Korrektur einzelner Übertreibungen sehen, oder aber den Anfang einer breiten Korrektur der gesamten KI-Branche, die vielleicht auch auf andere Branchen übergreifen kann, habe ich im Nvidia-Update aufgezeigt.

Die ehemaligen Hype-Themen befinden sich ebenfalls unter Druck: Rigetti, das Unternehmen, das Quantum Computing salonfähig machen möchte, verlor in den vergangenen vier Wochen 45% des Marktwerts. Meine Meinung: Quantum Computing kommt. Vielleicht kommt es sogar schneller als derzeit erwartet. Doch auf dem Weg dorthin werden noch viele kleine Spezialisten finanzielle Probleme bekommen. Warum also nicht in den Bluechip dieser Entwicklung investieren: Big Blue himself, IBM. IBM gilt als führend im Quantencomputing, finanziert die Entwicklung aus den Einnahmen des laufenden Geschäfts und hat damit auch nötigenfalls einen langen Atem. Und wie zur Bestätigung notiert IBM aktuell auf einem Allzeithoch, wird also vom Platzen der Quantum-Blase verschont.

In der Kryptowelt platzen derzeit ebenfalls einige Unternehmen. Bitmine Immersion Technologies bietet Mining-Rechner an. Die Aktie verlor in den vergangenen Wochen bereits 75% ihres Wertes. Der jüngste IPO aus dieser Branche, Circle, befindet sich ebenfalls auf dem Weg gen Süden: Vom Hoch bei 300 USD kurz nach dem IPO zu 31 USD fällt die Aktie seither zurück auf aktuell 82 USD, ebenfalls fast -75%. Wobei ich von der Zukunft von Circle überzeugt bin, hier haben wir ein erstes Unternehmen, das in Mitleidenschaft gezogen wird... oder wurde. Vermutlich wurde, als die Aktie in den Himmel getrieben wurde. Nun folgt die Normalisierung.

Bleibt der Bereich der Kernfusion, der in der fernen - hoffentlich nicht allzu fernen - Zukunft unsere Energieversorgung revolutionieren soll. Oklo heißt das Unternehmen, das für diese Entwicklung von Spekulanten im laufenden Jahr um das Neunfache nach oben gejubelt wurde. Nach einem Hoch bei 193 Mitte Oktober kommt die Aktie nun auf 101 USD zurück, -48%. Damit erreicht die Aktie auf Basis des für die Zukunft erwarteten Gewinns ... ach ne, bis Ende 2026 wird noch kein Gewinn erwartet. Also dann auf Basis der Umsatzerwartungen für die Zukunft... hoppla, auch da steht eine Null. Ob das die 14 Mrd. USD wert ist, mit denen das Unternehmen noch immer bewertet wird?
 

Siemens wird zur One Tech Company



Siemens trennt sich sukzessive von seiner 67%-Beteiligung an Healthineers, indem 30% der Healthineers-Aktien an die Siemens-Aktionäre übertragen werden. Der Konzernanteil sinkt damit auf 37%, ohne Mittelzufluss an Siemens, und schärft das Profil als fokussiertes Technologieunternehmen („ONE Tech Company”). Mittelfristig soll der Restanteil zu einer reinen Finanzbeteiligung werden.

Siemens bündelt Hardware, Software und Services und strebt Wachstum über vier Hebel an: mehr Digitalumsatz, fokussierte Regionen (u.a. USA/China/Indien), gezielte Branchen-Vertikalen sowie Industrial-AI. Mittelfristig peilt Siemens 6–9% organisches Umsatzwachstum an. Das Digitalgeschäft soll bis 2030 verdoppelt werden, getrieben von KI-Investitionen i.H.v. 1 Mrd. EUR in drei Jahren. Kapital, das beispielsweise aus späteren Anteilsverkäufen bei Healthineers stammen kann, wird dann gezielt in Automatisierung, Elektrifizierung und industrielle KI investiert.

Anleger sind erst einmal skeptisch, Siemens verlor gestern 10%. Wir kennen Siemens als Alleskönner, als Rückgrat der deutschen Industrie. Siemens kann Energie (Siemens Energy), Gesundheit (Healthineers), Microchips (Infineon) und sogar Licht (Osram). Diese Breite könnte aber bei der sich immer schneller drehenden Wirtschaft bremsen. Insbesondere die KI für Industrie benötigt noch extrem hohe Investitionen, um passende Modelle zu entwickeln (Stichwort Halluzination beseitigen bzw. kontrollieren).

Das EV/EBITDA von aktuell 15 erscheint angemessen für das angestrebte Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich. Ich würde vermuten, dass Siemens als Dividendenaktie an Attraktivität verliert, da künftig ein höherer Teil des freien Cashflows reinvestiert statt als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Somit würde ich dem aktuellen Ausverkauf keine Neubewertung der Aktie zusprechen, sondern lediglich ein Aktionärswechsel: Dividendenaktionäre ziehen sich zurück.

Schauen wir mal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich behaupten konnten:
 

Wochenperformance der wichtigsten Indizes

 
INDIZES 14.11., 17:43 Uhr Woche Δ Σ '25 Δ
DAX 23.891  1,6% 20,0%
S&P 500 6.767  0,7% 14,6%
Nikkei 50.377  0,2% 26,3%
Shanghai A  4.628  -1,1% 17,6%
Euro/US-Dollar 1,16 0,4% 11,6%
Euro/Yen 179,61 1,2% 10,4%
10-Jahres-US-Anleihe 4,13% 0,02 -0,38
Umlaufrendite Dt 2,64% 0,05 0,33
Feinunze Gold $4.109  2,8% 57,1%
Fass Brent Öl $64,52  1,1% -13,4%
Kupfer $10.956  2,6% 23,0%
Baltic Dry Shipping $2.077  0,7% 108,3%
Bitcoin $97.085  -2,9% 3,5%


Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

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