Ich habe den Eindruck, der Erfolg des Venezuela-Coups ist Donald Trump zu Kopf gestiegen. Immer mehr Ziele verfolgt er inzwischen parallel und mit immer dreisteren Interventionen, über deren Legitimität wir diskutieren können, über die Legalität nicht.Da lässt er seinen Finanzminister Hypothekenkredite im Volumen von 200 Mrd. USD kaufen, um den Zins für private Hauskäufe zu drücken. Er interveniert im Kapitalmarkt, weil er den Gleichgewichtszins nicht akzeptieren möchte. Kurz zuvor hatte er verkündet, Immobilienkonzernen den Kauf von Privathäusern und -wohnungen zu verbieten. Das konnte ich noch als Korrektur über die Veränderung der Rahmenbedingungen akzeptieren. Doch Steuergelder zu verwenden, um ein bestimmtes Marktsegment direkt zu beeinflussen, ist in meinen Augen kontraproduktiv. Die Liquidität, die er dadurch in den Markt pumpt, wirkt mittelbar dann irgendwann auch wieder inflationär und erhöht den Marktzins.
Im nächsten Schritt kappt er den Kreditzins bei Kreditkarten auf 10%, durchschnittlich werden 19,86% erhoben. Ich berichtete bereits diese Woche im Rahmen eines Updates darüber. Das Ziel ist nachvollziehbar: Er möchte nicht so viele US-Amerikaner in die Schuldenfalle rutschen sehen. Der Aufschrei an den Märkten ist groß, denn wer soll in den USA konsumieren, wenn nicht mehr auf Kredit konsumiert werden kann? Einzelhandel und Banken fürchten starke Umsatzeinbußen.
Wie Sie wissen, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dorthin zu schauen, wo kein anderer hinschaut: Könnte es vielleicht sinnvoll sein, den Kreditzins auf 10% zu kappen?
Die Folge wird tatsächlich sein, dass weniger Konsumentenkredite ausgegeben werden. Kreditkartenemittenten werden nur denjenigen Kredit gewähren, bei denen das Risiko eines Zahlungsausfalls überschaubar ist. Letztlich sind das diejenigen, die keinen Kredit brauchen. Wer schlechte FICO-Zahlen hat (vergleichbar mit unserer Schufa), der wird künftig keinen Kredit erhalten, da die 10% Zins, die erhoben werden, das Risiko nicht decken.
Wenn wir aus Deutschland über den Teich blicken, schütteln wir ohnehin den Kopf darüber, dass in den USA so viel auf Kredit konsumiert wird. Und so viele Menschen in den USA sind hoffnungslos überschuldet, kämpfen sich von Monat zu Monat, um ihre Kreditkartenabrechnungen zahlen zu können ... bis es nicht mehr geht. Die Schuldenfalle ist umso gefährlicher, je höher der Kreditzins ist.
Ich selbst machte im Jahr 2000 damit Bekanntschaft. Nachdem ich zwei Jahre in den USA gelebt hatte, eine US-Drivers-License sowie eine Social Security Number hatte, konnte ich auch eine US-Kreditkarte beziehen. Man zahlt damit einen Monat alles, dann wird der kumulierte Betrag vom Konto abgebucht.
Als ich dann zur Jahrtausendwende zurück nach Deutschland ging, vergaß ich, mein US-Konto für die noch ausstehende Kreditkartenabbuchung laufen zu lassen. ...was soll ich sagen, ich war jung ... Es dauerte anderthalb Jahre, bis mich Morgan Stanley in Deutschland ausfindig machte und mir die aufgelaufene Post in einem Paket zustellte. Unzählige Mahnungen bis hin zur abschließenden handschriftlichen Karte "Wir können über alles reden". Ursprünglich waren 800 US$ offen, inzwischen waren mit Zinsen 2.000 US$ aufgelaufen. Die Karte (die ich schon lange nicht mehr hatte) sei gesperrt. Als "Kompromiss" schlug man mir vor, 400 US$ zu zahlen, damit keine Strafverfolgung ausgelöst würde.
Also rief ich an und wollte alles in Ordnung bringen: Entschuldigte mich, erklärte meinen Umzug und bot an, den vollständigen Betrag zu zahlen, sofern ich dann die Kreditkarte wieder bekäme. Die Antwort lautete, ich solle nur die 400 US$ zahlen, dann sei alles vergessen. Über die Vergabe einer Kreditkarte könne sie (meine Ansprechpartnerin) nicht entscheiden. Auf meine Rückfrage, wer das könne, verfiel sie im Telefonat in eine Endlosschleife (auch Menschen passiert sowas manchmal) und sie wiederholte immer wieder, dass sie nur möchte, dass ich die 400 US$ zahle.
Hmm, ich verrate Ihnen jetzt nicht, was ich getan habe ;-). Aber es zeigte mir, dass man in den USA mit solchen Vorfällen routiniert umgeht. So routiniert, dass es für mich schon fast wie ein Normalfall aussah, dass die Bank einen Teil ihrer Forderung abschreibt. Zwischenzeitlich meinte ich im Tonfall meiner Gesprächspartnerin zu hören: "Wie doof kann der sein, dass der alles zahlen will".
Also: Wenn in anderthalb Jahren auf 800 US$ eine Forderung von 2.000 US$ werden kann, dann ist da wirklich was faul im System. Soweit gebe ich Trump also Recht. Ein Ansatz, der schon verfolgt wird, ist die Deckelung der Mahngebühren, bei denen häufig ungeniert zugeschlagen wird. Damit würde man nicht in die freie Bildung eines Marktzinses eingreifen.
Wenn ein Markt tatsächlich nicht funktioniert und zu viele Schuldner in die Schuldenfalle treibt, dann sollte man jedoch an den Rahmenbedingungen arbeiten (Ludwig Erhard) und nicht dirigistisch intervenieren (Trump). Natürlich führt die Intervention schneller zum Ziel und immerhin ist das Kreditzinslimit auf ein Jahr befristet. Doch der freie Markt wird anschließend wieder in die falsche Richtung laufen, wenn die Rahmenbedingungen nicht korrigiert werden.
Das 10%-Limit muss noch vom Kongress verabschiedet werden und an der Börse ist man sich sicher, dass diese Regelung, die schon ab dem 20.1. gelten soll, nicht verabschiedet wird. Wir dürfen gespannt sein. So, wie ich Trump inzwischen kenne, wird er das eine Jahr mit Ausnahmegenehmigungen wegen nationalem Notstand oder ähnlichem durchdrücken und hoffentlich später eine etwas breitere und marktwirtschaftliche Lösung finden. Wir dürfen gespannt sein.
Am Wochenende wurde Fed-Chef Jay Powell verklagt. Er habe Steuergelder veruntreut, indem er die Renovierung der Fed-Zentrale kostenmäßig aus dem Ruder habe laufen lassen, so der Vorwurf. Es handelt sich um eine Strafanzeige und es dürfte Ihnen nicht schwer fallen sich vorzustellen, dass auch der redlichste Beamte schlecht schläft, wenn er mit der Gefahr einer Gefängnisstrafe - berechtigt oder unberechtigt - konfrontiert wird.Die Renovierung zweier historischer Fed-Gebäude, die über einhundert Jahre alt sind, wurde ursprünglich mit 1,9 Mrd. USD an Kosten veranschlagt und kostet nun 600-700 Mio. USD mehr als geplant. Diese Strafanzeige ist in meinen Augen tatsächlich absurd. Wie oben angekündigt, suche ich immer nach rationalen Beweggründen für Trumps Handlungen. Und meistens kann ich irgendwo etwas finden. Doch hier fehlt mit jegliches Verständnis. Im Gegenteil, ich fürchte, er tut sich damit einen Bärendienst.
Zum einen sind es keine Steuergelder, die Powell veruntreuen soll, sondern die Renovierung wird aus dem Gewinn der Fed bezahlt und die Fed ist in den USA ein privates Institut, das sich in den Händen einiger Großbanken befindet. Zum anderen ist der Weg weit, dem fachlich nicht eingebundenen Powell eine Verantwortung für die ausufernden Kosten zu geben. Powell soll sich um die nationale Geldpolitik kümmern, und nicht um die Gebäuderenovierung.
Ich gehe davon aus, dass dieses Verfahren irgendwann im Nichts verläuft. Doch viel wichtiger als die fachliche Betrachtung ist das Signal, das Trump damit ausgesendet hat. Ein Fed-Chef, der nicht nach seiner Nase tanzt, wird nicht ruhig schlafen können. Und ich sage es gerne noch einmal: Jay Powell schläft in diesen Tagen nicht gut. Er wird sich auf Anhörungen gut vorbereiten müssen und darauf achten, dass er keine Fehler macht, mit denen er letztlich vielleicht doch hinter Gitter geschickt werden könnte. So absurd der Vorwurf auch sein mag, er wird dennoch Spuren hinterlassen.
Und diese Spuren werden für alle, die sich als Nachfolger Powell um dieses Amt bemühen, sichtbar sein. Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist für unser westliches System ein Grundpfeiler, an dem die Politik nicht rütteln darf. Entsprechend bekam Powell in den vergangenen Tagen auch weltweit von unzähligen Notenbankchefs Rückendeckung. Doch kein anderer Amtsträger in den USA musste in den vergangenen Monaten so viel einstecken wie Powell. Donald Trump hat gleich eine ganze Liste von abwertenden Spitznamen für ihn, so zum Beispiel "Jerome too late Powell" (Jerome zu spät Powell), oder "knucklehead" (Holzkopf).
Wer sich also um das Amt des US-Notenbankchefs bemüht, muss entweder einstecken können, oder aber die Wünsche von Donald Trump umsetzen. Und wenn man bislang noch Jay Powell für seine Nehmerqualitäten bewunderte und sicherlich mancher Nachfolge-Kandidat darin eine Qualität sah, so wird nun durch die Strafanzeige statt einer Nehmerqualität ein Masochist gesucht, oder aber ein Arschkriecher.
Mit der Strafanzeige gegen Jay Powell hat Trump sein Ziel also bereits erreicht, unabhängig davon, wie der Prozess ausgeht. Der Nachfolger wird ein Arschkriecher sein, denn jeder qualifizierte Banker mit gesundem Menschenverstand wird dieses Amt nun ablehnen. Und damit ist die Unabhängigkeit der US-Notenbank de facto flöten gegangen.
Donald Trump arbeitet so am Traum eines jeden Politikers: Niedrige Zinsen bei hoher Inflation. Die niedrigen Zinsen durch einen ihm hörigen Notenbankchef erlauben es dem Politiker, seine Vorhaben günstig über Schulden zu finanzieren. Die hohe Inflation, die eine Folge der über Schulden finanzierten hohen Staatsausgaben ist, führt dazu, dass der zurückzuzahlende Betrag für die Schulden real (kaufkraftbereinigt) in der Zukunft wesentlich leichter zu stemmen sein wird.
Der US-Dollar wird also weiter schwach bleiben.
Diese Woche stieg der Ölpreis an, als Donald Trump Richtung Iran ankündigte, Hilfe sei unterwegs. Es kursierten sogar bereits Meldungen in der Finanzwelt, dass Fliegerstaffeln auf dem Weg zum Iran seien. Dann plötzlich wurde die Aktion abgeblasen, da der Iran Trump zugesichert habe, keine Hinrichtungen von Demonstranten vorzunehmen. Die US-Kampfjets kehrten in der Luft um, der Ölpreis entspannte sich wieder. Hmm, eine unübersichtliche Situation.Und dann ist da noch Grönland. Könnte es sein, dass Trump sich so langsam übernimmt? Der schnelle Rückgang des Ölpreises nach dem Abblasen der Iran-Aktion (Wochenänderung nur +0,5%), die nur moderate Reaktion auf das 10%-Limit bei Kreditzinsen (Capital One von -10% auf nur noch -6%), der ausbleibende Ausverkauf des US-Dollars (diese Woche Anstieg um 0,2%punkte ggü. Euro) obwohl die Unabhängigkeit der US-Fed zu Grabe getragen wurde, all das sind nur moderate Reaktionen auf die erratischen Aktionen Donald Trumps. Man glaubt ihm nicht, dass er seine Ankündigungen umsetzen wird, wie am Beispiel Iran ja bereits zu sehen war.
Wie geht's also weiter? Wird Trump einsehen, dass er es beim einen oder anderen Thema zu weit getrieben hat? Oder wird er seine Ziele um so vehementer umzusetzen versuchen? Es bleibt spannend.
Schauen wir uns mal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:
Wochenperformance der wichtigsten Indizes
| INDIZES | 17.1., 13:10 Uhr | Woche Δ | Σ '26 Δ |
| DAX | 25.297 | 0,1% | 3,3% |
| S&P 500 | 6.940 | -0,5% | 1,4% |
| Nikkei | 53.936 | 3,8% | 7,1% |
| Shanghai A | 4.732 | -0,6% | 2,2% |
| Euro/US-Dollar | 1,16 | -0,3% | -1,3% |
| Euro/Yen | 183,42 | -0,2% | -0,1% |
| 10-Jahres-US-Anleihe | 4,22% | 0,05 | 0,06 |
| Umlaufrendite Dt | 2,73% | -0,03 | -0,05 |
| Feinunze Gold | $4.596 | 2,2% | 6,4% |
| Fass Brent Öl | $64,13 | 0,9% | 5,4% |
| Kupfer | $12.803 | 0,6% | 3,1% |
| Baltic Dry Shipping | $1.567 | -8,8% | -16,5% |
| Bitcoin | $95.165 | 4,8% | 8,4% |
Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.
Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
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