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Wochenrückblick 15. Dezember - 19. Dezember 2025

Geld hat keine Moral ...von Stephan Heibel
Von vorweihnachtlicher Beschaulichkeit kann keine Rede sein. In dieser Woche ging es drunter und drüber.

EURStarten wir mit der Entscheidung der vergangenen Nacht, die russischen Vermögen in Höhe von 210 Mrd. EUR nun doch nicht als Sicherheit für Ukraine-Kredite zu verwenden. Belgien und Ungarn waren strikt dagegen, Italien und Frankreich konnten der Idee ebenfalls nicht viel abgewinnen.

In Belgien sitzt Euroclear, ein Institut der Finanzwelt, über das die Auslandszahlungen abgewickelt werden. Euroclear ist einer der größten Steuerzahler von Belgien. Dort wird der Großteil der russischen Vermögen, die in Europa sind, verwaltet und dort sind die Vermögen seit Kriegsbeginn eingefroren. Die Zinsen, die diese Vermögen abwerfen, werden bereits seit 2024 als Ukrainehilfe verwendet.

Kanzler Merz hatte sich eine komplizierte Logik ausgedacht. Die eingefrorenen Vermögen sollten als Sicherheit für einen Ukraine-Kredit verwendet werden. Der Kredit sollte dann später von russischen Reparationszahlungen abbezahlt werden. Sollte der Krieg ohne russische Reparationen beendet werden, würden die russischen Vermögen den Kredit tilgen.

Ich kann dieser Idee nicht viel abgewinnen. Zum einen würde sich die EU mit einer solchen Entscheidung aus dem internationalen Finanzsystem verabschieden. Unser Euro würde weltweit als Währung betrachtet, die für politische Zwecke verwendet werden kann. Das ist für eine internationale Reservewährung, die Länder jeglicher Gesellschaftsform bedient, ein K.O.-Kriterium. Welches Land, welcher Bürger gibt sein Geld in einen Währungsraum, der enteignet, wenn es zu politischen Konflikten kommt?

UkraineRusslandZum anderen sieht es für mich derzeit eher danach aus, als würde Russland bei Friedensverhandlungen auf die Vermögen bestehen, ohne Reparationszahlungen zu akzeptieren. Dann würde die EU auf den Krediten sitzenbleiben, wir hätten Eurobonds durch die Hintertür. Ein Frieden in der Ukraine wird zwischen Putin und Trump ausgehandelt. Trump wird auf die Rohstoffe bestehen, die er Selenskyj abgerungen hat. Putin wird auf möglichst großen Machteinfluss und möglichst wenig westlichen Einfluss pochen, und natürlich seine russischen Vermögen in die Waagschale werfen. Ich fürchte, Europa ist noch weit entfernt davon, durch eigene Stärke ein wichtiger Verhandlungspartner zu werden.

Ohnehin spricht man vielfach davon, dass Atomwaffen als Garant für den Frieden eine Bereinigung kriegerischer Gesellschaften verhindern. Bitte missverstehen Sie diese Formulierung nicht, ich weiß, dass wir in der Ukraine Krieg haben. Doch um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, muss man das Land entweder in die Ecke drängen, oder aber Zugeständnisse machen. Und in die Ecke kann man die weltweit größte Atommacht nicht. Daher bleibt der offene Krieg zwischen Ost und West aus, so die Theorie, und daher können sich solche kriegerischen Regierungen weiterhin an der Macht halten.

Wenn die Chance auf einen Friedensschluss mit Russland, der Reparationszahlungen beinhaltet, gering ist, und gleichzeitig Trump seine ökonomischen Interessen auf dem Rücken Europas durchsetzen dürfte, dann ist absehbar, dass die russischen Vermögen nicht zur Kredittilgung verwendet werden können. Wir würden also auf Eurobonds sitzenbleiben.

Nun haben sich die EU-Staaten, mit Ausnahme Ungarns, Tschechiens und der Slowakei, auf einen Kredit über 90 Mrd. EUR verständigt, der durch den EU-Haushalt abgesichert wird. Da nicht alle EU-Staaten an der Finanzierung teilnehmen, können wir nicht von Eurobonds sprechen ... aber vielleicht von "Eurobonds minus Drei".

Der Bitcoin sprang über Nacht von 72.000 Euro auf 75.000 Euro, +4%. Der Goldpreis hingegen zeigt nur einen kurzen Ausschlag nach oben (+1,3%), der direkt im Anschluss wieder abgegeben wurde.

BundesoblDie EZB beließ erwartungsgemäß den europäischen Leitzins bei 2-2,25%. Wichtiger war die Erwartung der EZB an die Zinsentwicklung. Aktuell geht man dort von einem weiteren Absinken der Inflation auf 1,9% aus. Allerdings sei die Inflation im Dienstleistungssektor noch nicht ausreichend zurückgekommen, daher diskutiert die EZB tatsächlich auch Zinsanhebungen für die Zukunft.

Damit bleibt die EZB "data-driven", bestimmt ihre Zinsentscheidung jeweils nach aktueller Datenlage. Das ist gut, da wir mit Vorfestlegungen immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Für den Euro wirkt das stabilisierend, ist also ein Gegenpol zur Kreditentscheidung von heute Nacht. Der Ausblick auf das Risiko der zu hohen Teuerungsrate bei Dienstleistungen zieht allerdings Sorgen nach sich, dass die Industrie, die niedrigere Zinsen benötigt, im Falle einer Zinsanhebung künftig unter die Räder geraten könnte.

In Großbritannien geht man einen anderen Weg. Auch dort ist die Inflation der Dienstleistungen zu hoch und in der Industrie zu niedrig. Man stützt dort die Industrie mit einer weiteren Zinssenkung.

NipponUnd wenn wir schon mal einen Blick über den Tellerrand machen, dann schauen wir auch nach Japan: Dort wurde heute der Zins um 0,25%punkte auf 0,75% angehoben. Damit ist der Zins in Japan auf dem höchsten Niveau seit 1995. Der Carry-Trade droht sich aufzulösen.

Als Carry-Trade bezeichnet man Transaktionen, bei denen sich internationale Anleger in Japan Yen-Kredite holen und mit dem Geld Risikopapiere, wie bspw. auch den Bitcoin, kaufen. Während der Bitcoin hoffentlich steigt, gibt der Yen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus an Wert ab. Das hat nun 30 Jahre lang gut funktioniert, doch das steigende Zinsniveau droht diesen Trade zu einem Ende zu führen. Die Carry-Trader lösen ihre Yen-Kredite ab. Um dies zu tun, liquidieren sie ihre Risikowerte.

Die Auflösung des Yen-Carry-Trades läuft schon seit über einem Jahr und erfolgt bislang mehr oder weniger gesittet. Die Angst besteht, dass irgendwann zu schnell zu viele Yen-Kredite abgelöst werden und die entsprechenden Risikopapiere zu schnell verkauft werden. Nach den letzten Zinsentscheidungen in Japan gab es durchaus solche Momente, sie dauerten aber nur wenige Stunden und führten bislang nicht zu einem Chaos. Hoffen wir mal, dass es so bleibt.

DTrumpDonald Trump macht täglich mehrere Schlagzeilen, da weiß ich gar nicht, welche ich auswählen soll. Diese Woche kritisierte er die US-Rüstungskonzerne, weil sie die aktuell gute Geschäftslage nutzen, um Managementgehälter in die Höhe zu schrauben und hohe Dividenden an die Aktionäre ausschütten sowie hohe Aktienrückkäufe tätigen. Gleichzeitig würden sie Deadlines und Budgetvorgaben routiniert brechen. Lockheed Martin, L3Harris und RTX Corp sollen seiner Ansicht nach künftig keine Dividenden ausschütten und Rückkäufe tätigen dürfen, wenn sie Zeitpläne oder Budgets nicht einhielten.

Tatsächlich schütten die drei Unternehmen derzeit in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen recht viel an ihre Aktionäre aus: L3Harris 7%, Lockheed Martin 6% und RTX Corp 2%. Ich halte seine Kritik für gerechtfertigt. Während man in Deutschland eine solche "Überrendite" gerne abschöpfen würde, was in meinen Augen ebenfalls schon einer Enteignung nah käme, appelliert man in den USA an die Verantwortung, das überschüssige Kapital doch bitte zu reinvestieren, statt die Bilanz auszutrocknen. Mir ist nur noch nicht ganz klar, welches Druckmittel Trump für seine Forderung einsetzen möchte.

SemiDiese Woche veröffentlichte Micron herausragend gute Q-Zahlen und hob den Ausblick an. Die Aktie sprang um 14%, ich kommentierte die Zahlen in unserem Update zu Amazon. Einen weiteren Aspekt möchte ich hier anfügen: Seit Jahren warten wir auf einen neuen Investitionszyklus für Maschinen im Halbleitersegment. Der Bedarf ist da, doch weder Micron noch Sandisk, Seagate oder Western Digital bauen die Fertigungskapazitäten nennenswert aus. Daher das knappe Angebot, daher die hohen Preise für Speicher.

Applied Materials, Lam Research, KLA Corp und ASML wurden daher vom KI-Boom noch nicht wirklich erfasst. Dell, Apple und HP sowie andere Hersteller von Laptops und PCs fielen nach den Zahlen von Micron, da sie die teuren Speicherpreise zahlen müssen, um ihre Geräte damit auszustatten.

Schauen wir mal, wie sich diese Nachrichtenflut auf die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich auswirkte:
 

Wochenperformance der wichtigsten Indizes

 
INDIZES 19.12., 21:08 Uhr Woche Δ Σ '25 Δ
DAX 24.288 0,4% 22,0%
S&P 500 6.837 0,0% 15,7%
Nikkei 49.507 -2,6% 24,1%
Shanghai A 4.568 -0,3% 16,1%
Euro/US-Dollar 1,17 -0,2% 12,6%
Euro/Yen 184,65 0,9% 13,5%
10-Jahres-US-Anleihe 4,15% -0,04 -0,36
Umlaufrendite Dt 2,81% 0,01 0,50
Feinunze Gold $4.343 1,1% 66,1%
Fass Brent Öl $60,48 -1,4% -18,8%
Kupfer $11.778 -0,8% 32,2%
Baltic Dry Shipping $2.071 -9,7% 107,7%
Bitcoin $87.594 -2,7% -6,6%


Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

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