ARNOLD & PARTNER - Finanz- und Versicherungsmakler

Wochenrückblick 19. Januar - 23. Januar 2026

Anleger reagieren skeptisch auf Grönland-Lösung ...von Stephan Heibel
Grönland bleibt also dänisch, Trump bekommt seinen Golden Dom, die Raketenabwehr, und darf dafür auch Grönland nutzen. Die Rede von Donald Trump in Davos klang sehr versöhnlich. Es regte sich Widerstand gegen seine Eroberungspläne im eigenen Land und sogar in der eigenen Partei.

So holten viele Aktien ihre Kursverluste, die sie zu Beginn der Woche in Folge der Drohungen Trumps erlitten, teilweise wieder auf. Doch der DAX notiert zur Stunde (12:17 Uhr) auf Wochensicht noch immer mit 1,8% im Minus. Die Erholung bleibt sehr zögerlich, zu oft konnte man sich auf die Versprechen Trumps nicht verlassen.

Ich sehe jedoch die zögerliche Entwicklung eher vor einem anderen Hintergrund: In den USA befinden wir uns mitten in der Berichtssaison, die Finanztitel haben größtenteils bereits ihre Q-Zahlen vorgelegt. Doch manchmal ist es völlig egal, wie die Zahlen ausfallen. Aktien von Banken und Finanzdienstleistern sind in den vergangenen Monaten so stark angestiegen, dass selbst die besten Q-Zahlen keinen zusätzlichen Kursschub mehr erzeugen können, und so kommt es zu Gewinnmitnahmen.

Und wenn die Aktien von Banken fallen, dann ist das ein Warnsignal für die Konjunktur, so haben wir das zumindest gelernt. Daher zögern Anleger mit Aktienkäufen. Man wartet lieber erst einmal ab, wie die anstehenden Q-Zahlen in der Industrie, im Technologiesektor und in anderen Bereichen ausfallen. Die Fallhöhe ist zu hoch, als dass man kurz vor so wichtigen Zahlen noch mehr ins Risiko gehen möchte.

Nicht Anleger, sondern Trader treiben die Aktien von den Speicherchip-Anbietern in den Himmel: Seagate, Micron, Western Digital und SanDisk springen auch diese Woche weiter von Hoch zu höherem Hoch. Micron gab den Bau einer neuen Chipfabrik im Staat New York bekannt, 100 Mrd. USD sollen dort investiert werden und 50.000 Jobs schaffen. Die Fertigstellung der Fabrik werde vier Jahre in Anspruch nehmen, so Micron-CEO Sanjay Mehrotra.

Es wird also endlich wieder investiert. Das ist keine Überraschung, die Maschinenbauer der Chipindustrie befinden sich ebenfalls seit vielen Monaten schon auf einem Höhenflug: Lam Research, KLA Tencor und Applied Materials. Auch unsere Infineon und Siltronic legten in den vergangenen Monaten jeweils um über 30% zu.

Wir sind mit einer kleinen, spekulativen Position an diesem Hype beteiligt. Ich muss mir daher nicht vorwerfen, diese Rallye verpasst zu haben. Aber wer noch nicht dabei ist, der sollte jetzt sehr vorsichtig sein. Die Aktien steigen aufgrund der temporären Knappheit, die für exorbitant hohe Preise für DRAM-Speicher sorgt. Die Unternehmen profitieren also nur temporär, trotzdem werden deren Aktien bewertet, als würden diese Wachstumsraten ewig anhalten.

Bei SanDisk geht man beispielsweise von einer Gewinnverdopplung im kommenden Jahr aus. Vor diesem Hintergrund sieht das Bewertungsverhältnis EV/EBITDA von 23 recht moderat aus. Doch schon für das darauffolgende Jahr wird dann ein Gewinnrückgang von 7% erwartet. Wenn Spekulanten diese Kennziffer sehen, werden sie die Aktie ohne Rücksicht auf Verluste verkaufen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wann genau das der Fall sein wird, ich weiß aber, dass es irgendwann genau so kommen wird. Das haben wir gerade bei den Speicherchip-Herstellern oft genug gesehen. Also: Seien Sie bitte vorsichtig.

Anders sieht es für mich bei Siemens Energy aus: Die Aktie klettert auch von Hoch zu Hoch. Seit der Korrektur im vergangenen April legte die Aktie 250% zu. Doch die Nachfrage ist real, wir haben nicht genug Energie in unserem Land und wenn hier irgendwann auch mal neue KI-Rechenzentren gebaut werden sollten, bislang macht dies nur die Schwarz-Gruppe, dann wird die Nachfrage nach den komplexen Kraftwerken weiter anziehen. Ich warte schon seit Monaten auf eine Kaufgelegenheit, doch nennenswerte Rückschläge gab es nicht.

Und noch immer ist die Aktie nicht teuer. Das EV/EBITDA steht bei 19, für die kommenden drei Jahre wird ein Gewinnwachstum von 20-30% p.a. erwartet.

Anders als bei den Speicherherstellern, wo eine neue Fabrik das Angebot sprunghaft nach oben katapultieren kann, wird man die Kapazität für den Bau von Kraftwerken nicht so einfach nach oben schrauben können. Die Wartezeiten werden länger, die Preissetzungsmacht von Siemens Energy wird größer werden. Viele sprechen bei den geplanten Investitionen in KI-Rechenzentren von der natürlichen Bremse durch den erforderlichen Ausbau der Energieversorgung.

Könnte auch hier eine neue Technologie für eine sprunghafte Revolution sorgen? Es wird viel über die modularen kleinen Kernkraftwerke gesprochen, die "in Kürze" marktreif seien. Solche Prognosen sind jedoch eher in reißerischen Börsenbriefen zu finden als in den seriösen Research-Berichten aus der Energiebranche. Ich halte diese Lösung für weit entfernt.

Also, selbst Anfang dieser Woche war die Aktie von Siemens Energy kaum im Minus. Ich warte weiter ab.

Schauen wir mal, was die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich gemacht haben:
 

Wochenperformance der wichtigsten Indizes

INDIZES 23.1., 15:51 Uhr Woche Δ Σ '26 Δ
DAX 24.824 -1,9% 1,4%
S&P 500 6.901 -0,6% 0,8%
Nikkei 53.847 -0,2% 7,0%
Shanghai A 4.703 -0,6% 1,6%
Euro/US-Dollar 1,17 1,3% 0,0%
Euro/Yen 185,91 1,4% 1,3%
10-Jahres-US-Anleihe 4,24% 0,02 0,08
Umlaufrendite Dt 2,80% 0,07 0,02
Feinunze Gold $4.952 7,7% 14,6%
Fass Brent Öl $65,94 2,8% 8,4%
Kupfer $12.756 -0,4% 2,7%
Baltic Dry Shipping $1.761 12,4% -6,2%
Bitcoin $88.797 -6,7% 1,2%


Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Zurück zu Kapitalanlagen

© 2026 by
ARNOLD & PARTNER

Diese Website verwendet Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Durch die weitere Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Schließen