ARNOLD & PARTNER - Finanz- und Versicherungsmakler

Wochenrückblick 26. Januar - 30. Januar 2026

Anleger zeigen sich nervös ...von Stephan Heibel
Puh, das war eine ereignisreiche Woche. Ich werde versuchen, das Wichtigste für Sie kurz zu kommentieren.

FOMCKevin Warsh wurde heute früh von Trump als neuer US-Notenbankchef vorgeschlagen. Damit wurde der Kandidat gewählt, der noch die strengste Geldpolitik unter den vier zur Auswahl stehenden Kandidaten verfolgt. An den Finanzmärkten reagiert man erleichtert auf diesen Vorschlag.

Bereits am Mittwoch verkündete die US-Notenbank unter Jay Powell, der noch bis Mai im Amt ist, dass die Arbeitslosenquote Signale der Stabilisierung zeige - zuvor war sie angestiegen -, während die Inflationsrate auf erhöhtem Niveau verharre. Man fühle sich gut aufgestellt, um bei einer veränderten Datenlage über eine Anpassung des Zinsniveaus zu entscheiden, aber aktuell sei das nicht nötig. Jegliche Fragen zur Strafanzeige gegen Jay Powell, er habe die ausufernden Kosten des Umbaus des Fed-Gebäudes zu verantworten, beantwortete er mit verschiedenen Formulierungen für folgenden Inhalt: "Ich habe dazu nichts zu sagen".

Google will nicht mehr nur sagen, wo man etwas kaufen kann, sondern den Einkauf gleich selbst erledigen. Mit dem Konzept der Einkaufsagenten verschiebt Alphabet das Online-Shopping vom bekannten Suchen–Klicken–Kaufen hin zu Fragen–Entscheiden–Automatisch bestellen. Die Künstliche Intelligenz soll Produkte vergleichen, Rabatte einlösen, bezahlen und den Kauf im Dialog abschließen.

Herzstück dieser Strategie ist das neue Universal Commerce Protocol (UCP), das Google gemeinsam mit großen Handelspartnern (Shopify, Walmart, Etsy, Target, Wayfair) entwickelt hat. Händler können damit Angebote, Bezahlung und Checkout direkt in die Google-Suche und in die Gemini-KI integrieren, ohne den Kundenkontakt aus der Hand zu geben. Für Google ist das eine neue Infrastruktur-Ebene für den digitalen Handel. Während OpenAI mit ChatGPT und Amazon mit eigenen Shopping-Assistenten nachziehen, spielt Google seinen größten Trumpf aus: Riesige Datenmengen aus Suche, YouTube, Maps und Werbung, kombiniert mit der wachsenden Reichweite von Gemini.

Nach einem holprigen Start im KI-Rennen wirkt Google inzwischen deutlich offensiver. Mit Gemini 3 hat sich das Unternehmen technologisch zurückgemeldet, und die neue Shopping-Architektur zeigt, wohin die Reise gehen soll. Google positioniert sich nicht als Händler, sondern als Betriebssystem des Handels. Google versucht damit, die Spielregeln im digitalen Einkauf neu zu schreiben.

Am Mittwoch veröffentlichte die Deutsche Bank die besten Quartalszahlen ihrer Geschichte. CEO Christian Sewing kann jedoch nicht unbeschwert feiern, denn zeitgleich erfolgt eine Razzia in seiner Bank wegen Geldwäschevorwürfen im Zusammenhang mit dem russischen Oligarch Roman Abramowitsch in den Jahren 2015 bis 2018, also vor seinem Amtsantritt. Sewing arbeitet seit 2019 daran, den schlechten Ruf seines Instituts aufzupolieren. Diese Razzia ist nun ein Rückschlag.

Der niederländische Chipmaschinenhersteller ASML legte Q-Zahlen vor, die begeisterten. Der Engpass bei den Speicherherstellern und die KI-Revolution sorgen für volle Auftragsbücher. Insbesondere EUV-Systeme, die für extrem leistungsfähige Lithografieanlagen verwendet werden, mit denen die KI-Chips von Nvidia und Broadcom hergestellt werden, sorgen für steigende Gewinnmargen, denn es gibt keine Alternativen dazu. Die Aktie der Holländer verdoppelte sich in den vergangenen 6 Monaten.

GE Vernova veröffentlichte Q4-Zahlen und erfüllte die Erwartungen zumindest dort, wo es wirklich zählt. Der Umsatz stieg um rund 4% auf 10,96 Mrd. USD. Der Auftragseingang legte um 65% auf 22,2 Mrd. USD zu. Der Auftragseingang ist für den Kraftwerksbauer die wichtigste Kennzahl, um die künftige Entwicklung abzuschätzen. Da der Bau von Kraftwerken dann häufig 7-10 Jahre dauert, verfügt GE Vernova über eine hohe Transparenz für die künftige Geschäftsentwicklung.

Der bereinigte Gewinn je Aktie sprang zwar auf 2,78 USD und hat sich damit mehr als verdoppelt, blieb aber unter der Schätzung von 2,96 USD. Die Abweichung kam komplett aus dem Windgeschäft, dem Sorgenkind, seit die US-Regierung im Dezember alle Offshore-Wind-Aktivitäten gestoppt hat. Ich sehe hier Parallelen zu Siemens Energy. Das Segment ist jedoch vergleichsweise klein und schrumpft.

Dafür glänzt das Kraftwerksgeschäft umso mehr. Dort stieg der Umsatz um 5%, getrieben von Gas- und Kernkraft, und die Gewinnmarge (EBITDA) legte deutlich auf 16,9% nach 14,9% im Vorjahr zu. Der Auftragsbestand und die Reservierungen für Gaskraftwerkskapazitäten zogen im Quartal von 62 auf 83 Gigawatt an.

Am Donnerstag traten die Börsen auf die Bremse, die Software-Branche konnte die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen. Im Mittelpunkt standen ServiceNow und Microsoft mit einem kräftigen Kursrutsch. Die Microsoft-Zahlen waren zwar nicht schlecht, aber Chancen wurden liegen gelassen. Das margenstarke Cloudgeschäft Azure wuchs "nur" um 38% und lag damit hinter den Erwartungen. Analysten hatten sich 40% Wachstum erhofft. Die Nachfrage war da, auch die entsprechende Kapazität wurde aufgebaut. Doch die neue Rechenleistung wurde lieber für Copilot zur Verfügung gestellt, die KI im MS-Office-Umfeld. Doch von 1,5 Mrd. Office-Nutzern haben nur 15 Mio. den Copilot Zusatzdienst gebucht. 1% ist viel zu wenig. Im Analystencall beschweren sich Analysten darüber, dass Umsatz im Cloud-Geschäft wiegengelassen wurde.

Oder anders ausgedrückt: Während Apple geduldig auf Gemini 3 von Google wartete und nun für wenig Geld die beste KI nutzen kann, investiert Microsoft seit Jahren direkt in OpenAI und in Anthropic, stellt ihnen Rechenleistung in der Azure zur Verfügung und tritt mit der teuren Eigenentwicklung von Copilot sogar in Konkurrenz zu den eigenen Investitionen, ohne damit sichtbaren Erfolg zu haben.

Auch für das laufende Quartal soll das Umsatzwachstum beim margenstarken Azure-Geschäft bei nur 37-38% liegen. Anleger sind enttäuscht und schicken die Aktie mit -8% in den Keller.

ServiceNow fiel um etwa 12%, trotz insgesamt besserer Zahlen und der Zusage, aggressiv eigene Aktien zurückzukaufen. "KI frisst Software" lautet die These, mit der derzeit Aktien von Adobe, Salesforce, SAP und vielen anderen Softwareunternehmen ausverkauft werden.

Immer mehr Nutzer haben Software nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern greifen über das Internet in der Cloud auf sie zu. Das Geschäft mit Cloudsoftware ist SAP daher der größte Wachstumstreiber. Gegen Ende des vergangenen Jahres konnte Europas größter Softwareanbieter jedoch nicht so viele Verträge für Cloudsoftware abschließen wie erhofft. Auch 2026 dürfte das Wachstum des Vertragsbestands auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgehen. Um die Investoren bei Laune zu halten, plant das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren bis zu zehn Milliarden Euro in Aktienrückkäufe zu stecken.

Das ist mehr als ein einzelner Ausrutscher und Anleger bewerten die gesamte Software-as-a-Service-Welt neu. Wenn die Zahlungsbereitschaft sinkt, schrumpfen die Bewertungskennzahlen, die EV/EBITDA-Kennziffer wird kleiner. Wichtig ist aber die Differenzierung, denn nicht jede Software ist gleich verwundbar. Mit in den Abverkauf geraten sind auch Cybersecurity-Werte. CrowdStrike und Palo Alto Networks verloren deutlich, obwohl ihre Geschäftsmodelle durch KI eher gestärkt werden könnten. Denn je leistungsfähiger KI wird, desto raffinierter werden auch die Angriffe und desto höher wird der Bedarf an Schutz.

Bleibt Meta, das Unternehmen konnte liefern, was kein anderer Hyperscaler bislang kann: KI macht das Werbegeschäft nicht nur hübscher, sondern messbar wirksamer und damit besser monetarisierbar. Der Konzern meldet deutlich stärkere Umsätze, weil Kampagnen durch KI präziser ausgesteuert werden, was sich besonders bei Reels bemerkbar macht. Gründer und CEO Mark Zuckerberg betont zudem, dass auch die Auslieferung und Nachfrage rund um die Ray-Ban-Meta-Brillen funktionieren. Die KI-Brille ist also nicht nur ein Technik-Gimmick, sondern ein Produkt mit Zukunft. Auch Apple ist auf diesen Weg umgeschwenkt, stellt die Vision-Pro AR-Brille in der Priorität nach unten und entwickelt nun ebenfalls eine leichte AR-Brille.

Der Kern der Meta-Botschaft war, dass diese Werbeerlöse ohne KI nicht möglich gewesen wären. Meta zieht mehr Wert aus Anzeigen, die früher schlicht weniger effektiv waren. Das ist der Punkt, an dem die KI-Story wirklich mehr Geld in die Kasse spült. Gleichzeitig steigen die Investitionen von Meta kräftig, aber der Markt verzeiht das, wenn Wachstum und Ergebnis im Gegenzug deutlich besser ausfallen. Genau das ist passiert, sogar der Ausblick wurde angehoben und das Management spricht von einer spürbaren Beschleunigung, die bevorsteht.

Zusätzliche Fantasie schürt Mark Zuckerberg in der Effizienz-Ecke. Agentisches Programmieren durch KI, die die Entwicklungsarbeit automatisiert, soll langfristig Kosten senken und die Produktentwicklung beschleunigen. Die Aktie sprang um rund 9% nach oben.

Natürlich wird es langfristig weniger Informatiker brauchen. Doch die Entwicklung wird nicht linear sein, denn zunächst muss die KI dahingebracht werden, besser zu programmieren. Dazu sind zunächst mal mehr Informatiker erforderlich, denn das Trainieren ist aufwendig. Und diese Informatiker müssen hochqualifiziert sein. Mag also sein, dass schon bald erste Informatiker ihren Job an die KI verlieren, doch die hochqualifizierten Informatiker werden wir noch eine Weile benötigen :-).

So, das soll's für heute mal gewesen sein. Ich wollte ja nicht jede Woche so viel über den wütenden Blondschopf aus dem Weißen Haus schreiben.
 

Wochenperformance der wichtigsten Indizes

INDIZES 31.1., 11:01 Uhr Woche Δ Σ '26 Δ
DAX 24.539 -1,2% 0,2%
S&P 500 6.939 0,5% 1,4%
Nikkei 53.323 -1,0% 5,9%
Shanghai A 4.706 0,1% 1,7%
Euro/US-Dollar 1,19 0,9% 0,9%
Euro/Yen 183,43 -1,3% -0,1%
10-Jahres-US-Anleihe 4,24% -0,01 0,07
Umlaufrendite Dt 2,74% -0,06 -0,04
Feinunze Gold $4.894 -1,2% 13,3%
Fass Brent Öl $69,32 5,1% 13,9%
Kupfer $13.158 3,2% 5,9%
Baltic Dry Shipping $2.148 22,0% 14,4%
Bitcoin $83.391 -6,1% -5,0%



BTCDer Bitcoin sinkt unter 70.000 Euro. Ein Grund dafür könnte der Kälteeinbruch in den USA sein. Mein Sohn berichtete diese Woche von -28°C in der Nacht in seinem Ort in Maine. Viele Bitcoin-Miner nutzen überschüssigen Strom, der günstig abgegeben wird. Wird hingegen aufgrund der Kälte mehr geheizt, laufen die Kraftwerke unter Volllast und der erzeugte Strom wird für's Heizen verwendet. Viele Bitcoin-Miner nahmen also ihre Hochleistungsrechner vorübergehend vom Netz, so dass die verfügbare Rechenleistung für das Auffinden neuer Bitcoin-Blöcke deutlich reduziert wurde.

Durchschnittlich alle 10 Minuten soll ein Block gefunden werden. Die Schwierigkeit für diese Aufgabe wird alle zwei Wochen automatisch an die Rechenleistung der Bitcoin-Miner angepasst. Kurzfristige Schwankungen wie die der letzten Kälte-Tage führen dann dazu, dass die durchschnittliche Zeit für einen neuen Block auf 12 Minuten anstieg.

Ich halte das für einen positiven Klimaeffekt. Denn gerade erneuerbare Energien wie Windkraft und Solarenergie liefern keine stabile Energieversorgung, sondern häufig alle gleichzeitig. Wenn dann jedoch die Sonne scheint und der Wind bläst, wird zu viel Energie geliefert, so dass die Investitionsrechnung für weitere Windräder und Solaranlagen stark negativ beeinflusst wird. Schürfen diese Anlagen mit der überschüssigen Energie jedoch Bitcoin, so werden Investitionen plötzlich finanzierbar, die ohne den Bitcoin nicht profitabel gewesen wären.

Das Signal der rückläufigen Rechenleistung im Bitcoin-Miningnetzwerk sendet jedoch für viele Bitcoiner, die nicht so tief in der Materie stecken, ein negatives Signal, als würden sich die Miner abwenden. Vielleicht führte dieser Effekt zu dem starken Preisrückgang des Bitcoins (-7%).

Gleichzeitig stürmte der Goldpreis auf ein neues Allzeithoch bei 5.500 USD/Uz. Auch das belastet den Bitcoin-Preis, denn wer den Bitcoin als das digitale Gold sieht, der versteht nun nicht, warum der Bitcoin nicht ebenfalls auf neue Allzeithochs steigt. Immerhin ist die globale Unsicherheit derzeit ziemlich groß.

Ich würde aus der gegenläufigen Entwicklung jedoch noch nicht das Ende des Bitcoins ableiten. Für die Gold-Hausse gibt es begleitende Gründe, wie zum Beispiel eine immer aggressiver vorgetragene Entwertung des US-Dollars durch die US-Regierung. Überhaupt befinden wir uns in einer Rohstoffhausse, wo die Förderkapazitäten mit der sprunghaft anwachsenden Nachfrage nicht mithalten können.

Der Bitcoin hingegen wird von vielen Tradern genutzt, die auch in volatile Aktien der Technologiebörse Nasdaq spekulieren. Wenn die Software-Aktien einbrechen, wie oben beschrieben, dann werden anderweitig finanzielle Mittel geholt. Und die liegen bei diesen Tradern dann nicht selten im Krypto-Markt.

Für mich sind das daher für Anleger mit langem Zeithorizont derzeit Kaufpreise beim Bitcoin :-).

Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

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