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Wochenrückblick 31. Dezember 2018 - 4. Januar 2019

Apple schockt die Märkte ...von Stephan Heibel
Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete: Mit einer Hiobsbotschaft. Apple hat im Weihnachtsgeschäft in China deutlich weniger verkauft als ursprünglich geplant. Die Prognosesenkung führt zum ersten Mal seit sieben Jahren dazu, dass Apple im Weihnachtsquartal weniger umsetzen wird als im Vorjahr. CEO Tim Cook ist dafür bekannt, gerade das Tagesgeschäft bestens im Griff zu haben. Es muss also etwas wirklich Überraschendes passiert sein, dass Cook sich so irren konnte.

In einem Brief an Investoren nennt Cook den Grund: Das Geschäft in China bleibt hinter den Erwartungen zurück. Während er grundsätzlich eine Abschwächung in dieser Region erwartet habe, sei er von der Intensität überrascht worden. Auch auf den anderen Märkten seien die Erneuerungskäufe in Folge der Vorstellung der neuen iPhone X-Modelle nicht so stark ausgefallen wie erwartet.

Damit hat sich bewahrheitet, was ich vor einigen Monaten befürchtet habe: das nachlassende Wachstum im Smartphonemarkt belastet Apple, der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet Apple und die neuen iPhone-Modelle überzeugen nicht bzw. sind in meinen Augen einfach zu teuer.

Die Aktie von Apple ist gestern um 10% eingebrochen. Seit wir die Position nach 10 Jahren und 1.323% in unserem Heibel-Ticker Portfolio verkauft haben, ist die Aktie bereits um 14% gefallen. Nein, es ist noch zu früh, um die Aktie zurück ins Portfolio zu holen, denn ich erwarte weiteres Ungemach insbesondere für die US-Aktienmärkte, wie ich in Kapitel 04 ausführen werde.

Die Hiobsbotschaft von Apple hat gestern für ein Dow Jones Minus von 2,8% gesorgt. Schauen wir uns die drei Gründe für die Prognosesenkung einmal näher an.

Zum einen behaupte ich, dass Apple inzwischen mit dem iPhone XS und XR keine Begeisterungsstürme mehr auslöst ... zumindest nicht, wenn Sie sich die Preise anschauen. 1.000 Euro für ein Handy ist einfach zu viel, selbst wenn es eigenständig die Wäsche aufhängen könnte (Waschmaschine starten geht ja schon). Auch die anderen Apple-Produkte sind preislich in meinen Augen derzeit aus dem Rahmen gefallen. Seit Monaten möchte ich mir ein neues MacBook und iPad kaufen, auch die Apple Watch lacht mich an. Doch wenn ich mir die Innovation beim MacBook Pro anschaue, die seit meinem letzten Kauf vor sechs Jahren erfolgte, dann sehe ich keinen Grund dafür, für ein Gerät, das vor sechs Jahren 3.000 Euro gekostet hat nur wegen modernerer Komponenten heute über 5.000 Euro auszugeben. Dann tut's mein MacBook wohl doch noch. Schlimmer noch, ich habe mich in den Feiertagen damit beschäftigt, ob ich nicht auf ein Windows-Laptop umsteigen sollte. Ein Vorteil von MacOS ist meiner Ansicht nach seit Win10 kaum mehr vorhanden, auf der anderen Seite bietet Win10 viele Vorzüge, die bei MacOS nicht in Sicht sind.

Ähnlich sieht es für mich bei iPad und Apple Watch aus. In meinen Augen hat Apple in der jüngeren Vergangenheit Wachstum über Preisanhebungen generiert, nicht über Innovationen. Und das ist stets ein Zeichen für bevorstehenden Ärger. Ich gehe davon aus, dass es ein paar Quartale dauern wird, bis Apple mit innovativen Produkten zurück sein könnte.

Der zweite Grund ist eine generelle Verlangsamung des Wachstums im Smartphone-Markt. Bislang konnte Apple solche Marktphasen stets dadurch kompensieren, dass man Marktanteile hinzugewann. Doch das ist mit der zweiten Generation der iPhone X Modelle nicht mehr gelungen, im Gegenteil: Huawei und Samsung haben in Sachen Funktionalität gleichgezogen, in einigen Bereichen liegen sie sogar in Führung.

Und das sogenannte "Ecosystem" der Applewelt, also die verschiedenen Dienste, die man in der Applewelt nutzen kann, werden zunehmend auch von unabhängigen Anbietern mit brauchbarer Qualität angeboten: Spotify macht iTunes Music überflüssig, Bilder und Videos können lange schon in der DropBox abgelegt werden und das Synchronisieren von Kalender und Adressbuch funktioniert inzwischen auch in der Google-Welt reibungslos... selbst auf dem iPhone.

Das Wachstum auf dem Smartphonemarkt verlangsamt sich also, eine Marktsättigung erscheint in Sicht und die Austauschzyklen von alten Smartphones verlängern sich.

Bleibt der dritte wesentliche Grund: Probleme in China, HongKong und Taiwan. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat bislang noch keine direkten Probleme für Apple bereitet, dennoch gibt es zwei mögliche Gründe für eine nachlassende Nachfrage nach iPhones seites der Chinesen: Zum einen lässt das Wirtschaftswachstum in China nach. Von bislang 6,5% werde das BIP-Wachstum im laufenden Jahr auf nur noch 6,2% fallen, so schätzen Volkswirte. Zum anderen führt der Handelsstreit dazu, dass Chinesen gemäß dem Slogan "China First" vorzugsweise Smartphones chinesischer Produzenten wie bspw. Huawei kaufen, und eben nicht iPhones des politischen Gegners.

Natürlich führt eine solche Prognosesenkung von Apple zu Ausverkäufen bei Apple-Zulieferern. Auch Dialog Semiconductor und Skyworks Solutions sind gestern um je 10% eingebrochen. Micron und Intel fielen um 5%.

Nach einem katastrophalen vierten Quartal im abgelaufenen Jahr, in dem zwei Drittel aller DAX-Aktien zweistellige Verluste zu beklagen hatten, fängt das neue Jahr also ziemlich durchwachsen an. Immerhin gab es heute in Deutschland gute Arbeitsmarktdaten und seit einigen Stunden ist bekannt, dass es im Rahmen der Verhandlungen zwischen den USA und China zu einem Besuch einer US-Delegation in China kommen wird. Die Hoffnung auf eine Lösung im Handelsstreit treibt heute die Märkte an, der DAX legt aktuell 1,7% zu. Schauen wir mal, wie weit der Aktienmarkt durch diese Vorfreude getragen wird. Ausschlaggebend für die Richtung an den Märkten wird jedoch in den kommenden Wochen Jay Powell sein und nicht mehr Donald Trump, wie ich in Kapitel 04 zeigen werde.

Schauen wir nun einmal, wie sich die wichtigsten Indizes in den zwei ersten Handelstagen des neuen Jahres geschlagen haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

 
INDIZES 3.1.19 Woche Δ Σ '19 Δ
Dow Jones 22.921  -0,6% -0,6%
DAX 10.417  -1,3% -1,3%
Nikkei 20.015  0,0% 0,0%
Shanghai A  2.580  -1,2% -1,2%
Euro/US-Dollar 1,14 -0,4% -0,4%
Euro/Yen 123,00 -2,5% -2,5%
10-Jahres-US-Anleihe 2,59% -0,15 -0,15
Umlaufrendite Dt 0,07% -0,03 -0,03
Feinunze Gold $1.290  0,8% 0,8%
Fass Brent Öl $55,34  6,0% 6,0%
Kupfer 5.810  -3,4% -3,4%
Baltic Dry Shipping 1.267  -0,3% -0,3%
Bitcoin 3.836  -2,2% -2,2%



Zunächst einmal ging es weiter abwärts an den internationalen Aktienmärkten: Die Angst vor einem sich abschwächenden globalen Wirtschaftswachstum ergreift derzeit sämtliche Märkte. Da ist es erst einmal egal, ob die USA oder China stärker unter dem Handelsstreit leiden dürften, sämtliche Märkte werden in Mitleidenschaft gezogen.

Ist es Ihnen aufgefallen: Die Rendite der 10 Jahre laufenden US-Staatsanleihe ist auf nur noch 2,59% gefallen. Vor wenigen Monaten haben wir noch gefürchtet, das Überspringen der 3%-Marke würde die Aktienmärkte belasten. Der Umkehrschluss, eine fallende Rendite würde die Aktienmärkte unterstützen, scheint aber nicht zu gelten.

Die US-Zinsstrukturkurve ist in Teilbereichen bereits invertiert (http://www.worldgovernmentbonds.com/country/united-states/): Staatsanleihen von 2-7 Jahren bringen Ihnen weniger Rendite als eine ein Jahr laufende US-Staatsanleihe. Je länger Sie Geld anlegen wollen, desto teurer wird es.

Ich hatte Ende 2018 mehrfach darauf hingewiesen, dass eine invertierte Zinskurve im Bereich der 10 im Vergleich zu 2 Jahre laufenden Anleihen stets mit einer Verzögerung von 12-18 Monaten zu einer Rezession geführt hat. Zu deutsch: Wenn die Rendite der 10 Jahre laufenden Anleihe niedriger ist, als die Rendite der 2 Jahre laufenden Anleihe, droht eine Rezession. Diesem Schreckensszenario kommen wir immer näher.

Maßgeblich für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten ist die Diskrepanz zwischen der Aussage von US-Notenbankchef Jay Powell, der für das Jahr 2019 zwei Zinsanhebungen in Aussicht gestellt hat, und die Erwartung der Volkswirte, von denen kein einziger auch nur noch eine Zinsanhebung erwartet (https://www.cmegroup.com/trading/interest-rates/countdown-to-fomc.html).

Im Gegenteil, nur knapp mehr als die Hälfte hält das gegenwärtige Zinsniveau für angemessen, der Rest erwartet bis Ende 2019 Zinssenkungen durch Jay Powell.

Während Volkswirte das breite Gesamtbild der Volkswirtschaft zu erfassen suchen und aktuell die Konjunkturabschwächung sehen, scheint Powell ausschließlich auf den Arbeitsmarkt zu schauen, der deutliche Überhitzungsanzeichen signalisiert. Und nach der Fed-Theorie ist ein überhitzter Arbeitsmarkt wie ein Bremsklotz für die Konjunktur, denn die Wirtschaft findet nicht die gewünschten Arbeitskräfte und kann also nicht wachsen.

Dogmatik versus Pragmatismus. Es wird spannend, die Entwicklung an dieser Front zu beobachten.

Der Ölpreis ist um 6% angesprungen. Nein, da halte ich mich mit einer Erklärung zurück, denn nirgends wird derzeit so wild spekuliert wie im Ölmarkt. Mal schauen, ob es sich um eine kurze Gegenbewegung handelt, oder um die Trendwende.

Disclaimer: Der Wochenrückblick wurde von Stephan Heibel verfasst, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, den Sie unter www.heibel-ticker.de kostenfrei und unverbindlich beziehen können.

Wer un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte un- oder überpersönliche Schreib- oder Redeweisen in Umlauf setzt, wird mit Lust-, manchmal auch mit Erkenntnisgewinn belohnt; und wenn alles gut geht, fällt davon sogar etwas für Sie ab. (frei nach Robert Gernhardt) Wir recherchieren sorgfältig und richten uns selber nach unseren Anlageideen. Für unsere eigenen Transaktionen befolgen wir Compliance Regeln, die auf unsere eigene Initiative von der BaFin abgesegnet wurden. Dennoch müssen wir jegliche Regressansprüche ausschließen, die aus der Verwendung der Inhalte des Heibel-Tickers entstehen könnten. Die Inhalte des Heibel-Tickers spiegeln unsere Meinung wider. Sie stellen keine Beratung, schon gar keine Anlageempfehlungen dar. Die Börse ist ein komplexes Gebilde mit eigenen Regeln. Anlageentscheidungen sollten nur von Anlegern mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen vorgenommen werden. Anleger, die kein tiefgreifendes Know-how über die Börse besitzen, sollten unbedingt vor einer Anlageentscheidung die eigene Hausbank oder einen Vermögensverwalter konsultieren. Die Verwendung der Inhalte dieses Wochenrückblicks erfolgt auf eigene Gefahr. Die Geldanlage an der Börse beinhaltet das Risiko enormer Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

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